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„Der Dentalmarkt ist unsere Herkunft, unsere Gegenwart und unsere Zukunft“

Interview mit Pluradent Geschaftsführer Michael Jakobi zur virtuellen Live-Veranstaltung D:EX 2.0 am 30. Oktober und zur neuen Pluradent-Strategie.

28.10.21 - Nach der Premiere im April veranstaltet Pluradent (Offenbach) am 30. Oktober die zweite D:EX zu neuen digitalen Verfahren und Produkten im Dentalmarkt. Die dzw wollte von Michael Jakobi, Geschäftsführer der Pluradent, wissen, was sich hinter diesem Format verbirgt und welche Auswirkungen die Digitalisierung auf den klassischen Dentalhandel hat.

Herr Jakobi, was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten D:EX Ende Oktober?

Michael Jakobi: Ein vielseitiges Programm mit spannenden Vorträgen und vielen Beispielen aus der Praxis. Wir konzentrieren uns auf digitale Transformation und Diagnostik sowie innovative Produkte und zahnmedizinische Fachthemen. In den parallel laufenden Bereichen können sich Zahnärzte, Zahntechniker und zahnmedizinische Fachangestellte die sie interessierenden Themen aussuchen. Das geht alles sehr einfach, ohne vorherige Registrierung und natürlich kostenlos. Sie müssen am 30. Oktober nur ab 10 Uhr www.dex.dental anklicken und die gewünschte Live-Veranstaltung auswählen. Eine Programmübersicht und weitere Informationen zur D:EX finden Sie auf dieser Website.

Im Vergleich zu unserer ersten D:EX haben wir noch mehr Möglichkeiten zum Austausch der Teilnehmer und zur Diskussion mit den Referenten geschaffen. In eigenen Chatrooms kann man Fragen an die Referenten stellen, mit ihnen diskutieren und weiterführende Informationen einsehen. Auch die Meeting-Area für aIIe Teilnehmer haben wir erweitert. Damit greifen wir einen Wunsch unserer Kunden auf, die nach der langen Phase der Pandemie engere Kontakte knüpfen möchten und noch mehr praxisnahe Informationen erwarten. Die 1.200 Teilnehmer der ersten D:EX waren von dem Format begeistert, wünschten aber mehr Zeit und Möglichkeiten, sich virtuell auszutauschen. 

Aber kann eine solche virtuelle Live-Veranstaltung eine Präsenzveranstaltung ersetzen?

Michael Jakobi: Sicherlich nicht. Beides muss sich ergänzen. Unsere neue Plattform weist in die Zukunft und zeigt einen zusätzlichen Weg zu Kommunikation mit Kunden auf. Sie ist technisch ausgereift, sehr effizient und kostengünstig. Zudem können wir digitale Möglichkeiten nutzen, die eine Präsenzveranstaltung nicht bieten kann. So können wir Live-Anwendungen zeigen, in Praxen schalten und weiterführendes Material hinterlegen. Interessanterweise haben an der ersten D:EX viele mit der ganzen Praxis teilgenommen, denn Kosten und lange Anfahrtswege zu einer Präsenzveranstaltung entfallen. Und auch bei der D:EX im Oktober haben wir für die Teilnehmer wieder vier Fortbildungspunkte beantragt. 

Nicht nur in der Zahnmedizin geht die Entwicklung in Richtung weiterer Digitalisierung, sondern auch bei uns im Dentalhandel. Und dort will Pluradent mit seiner Digitalisierungsoffensive - und die D:EX ist Teil dieser Strategie - die berühmte Nasenlänge vor Wettbewerbern sein.

Welche Bereiche der Digitalisierung und welche Praxisbeispiele werden auf der D:EX vorgestellt?

Michael Jakobi: Es geht vor allem um neue Verfahren und Anwendungen wie digitale Anamnsese, der Künstlichen Intelligenz in der Röntgenbefundung, einer erfolgreichen Zahnarzt-Patienten-Beziehung im digitalen Zeitalter sowie dem digitalen Patientenschatten im dentalen Workflow. Konkrete Praxisbeispiele werden aus den Bereichen Kinderzahnheilkunde, Prävention und Parodontaltherapie sowie Sport- und Seniorenzahnmedizin vorgestellt.

Im Mittelpunkt steht immer die Frage, wie Patienten in der digitalen Zahnmedizin und Zahntechnik noch individueller und schonender behandelt werden können. Das umfasst auch den Einsatz Künstlicher Intelligenz, die viele digitale Assistenten bereitstellt, und eine effiziente Praxisorganisation. In diesem Zusammenhang stellen wir innovative Produkte wie den Intraoralscanner Primescan, das digitale Assistenzsystem zur Endo-Kanalaufbereitung CanalPro Jeni und Cerec-Ceramics-Materialrohlinge vor. In einem Block zur digitalen Diagnostik werden neue Verfahren der Röntgendiagnostik präsentiert, der digitale 3-D-Workflow von orangedental, Diagnostik als next level in der Patientenkommunikation sowie Erfahrungen in der mikroskopgestützen Behandlung. Übrigens standen Industriepartner und Sponsoren nach den Erfahrungen der ersten D:EX diesmal Schlange.

Die Pandemie treibt die Digitalisierung in allen Bereich voran. Wie verändert Sie Ihr Geschäft als Dentalhändler?

Michale Jakobi: Ähnlich wie in der Zahnmedizin verändert die Digitalisierung den Dentalhandel grundlegend. Das jahrzehntelange erfolgreiche Depotmodell mit seinen aufwendigen Strukturen und Kosten hat sich überlebt. Pluradent ist deshalb vor knapp zwei Jahren in die Krise geraten. Aber wir haben unsere Lektion gelernt. Vor einem Jahr haben wir uns neu aufgestellt und eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, die wir Schritt für Schritt umsetzen. Neben der D:EX als virtuellen Marktplatz haben wir beispielsweise ein neues Kundenportal geschaffen und unseren Online-Shop verbessert, über den wir viele neue Kunden gewinnen konnten. So können wir Zahnarztpraxen und Labore noch besser unterstützen und ihnen einen schnellen, effektiven Service anbieten. Zudem nutzen wir intensiv Social Media für die Kommunikation mit Kunden, Partnern und Mitarbeiten.

Sie sind im August in die Geschäftsführung von Pluradent berufen worden. Welche Erfahrungen bringen Sie mit und was sind Ihre vordringlichen Aufgaben?

Michal Jakobi: Als Mitglied des Beirats von Pluradent konnte ich mich zuvor schon detailliert in die relevanten Themen einarbeiten. Und als verantwortlicher Manager und Vertriebsexperte führender Unternehmen bin ich seit Jahrzehnten in der Medizinbranche tätig und weiß, wo unseren Handelspartnern der Schuh drückt. Nach einem Diplom in Feinwerktechnik mit Schwerpunkt Medizintechnik habe ich rund 30 Jahre für amerikanische Hersteller wie Johnson & Johnson gearbeitet, deren am Kunden orientierte Unternehmenskultur mich geprägt hat. Neben den Kunden haben wir natürlich Verantwortung für die Entwicklung unserer Mitarbeiter und auch eine soziale Verantwortung.

Meine wichtigste Aufgabe wird zunächst der Aufbau einer neuen Vertriebsstruktur sein. Auf der IDS haben wir zwar viele positive Rückmeldungen zu unserer Neuaufstellung und unseren digitalen Angeboten erhalten. Aber viele Kunden vermissen einen engeren und persönlichen Kontakt. Das ist einerseits ein Problem der Pandemie, andererseits aber auch eine Folge der Krise vor unserem Neustart. Einige langjährige Mitarbeiter, die diese Unsicherheit sehr belastet hat, haben leider gekündigt. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. Heute sind wir wieder attraktiv für junge, engagierte Kräfte. Aktuell stellen wir uns in der Fläche neu auf und suchen erfahrene Mitarbeiter für freie Vertriebsgebiete. In Zukunft zählt weniger die Unternehmensgröße, sondern ein erfolgreiches und gewinnversprechendes Geschäftsmodell mit dem Kunden im Mittelpunkt. 

Können Sie das neue Geschäftsmodell der Pluradent näher beschreiben?

Michale Jakobi: Der Dentalmarkt ist unsere Herkunft, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Als modernes Dentaldepot wollen wir Kunden umfassend unterstützen, in der Praxis oder im Labor erfolgreich zu sein. Dazu zählen individuelle Lösungen und maßgeschneiderte technische Services. Digitale Lösungen ergänzen wir durch persönliche Beratung vor Ort. Wir möchten die Arbeit unserer Kunden also erleichtern, damit sie ihre Patienten noch individueller und effizienter behandeln können. Das erfordert einen respektvollen Umgang mit Kunden und das Eingehen auf Kundenwünsche. Deshalb brechen wir die alte, hierarchisch geprägte Unternehmenskultur bei Pluradent auf und führen eine Kultur des gegenseitigen Respekts und der Verantwortung ein.

Mit freundlicher Genehmigung der dzw - Die ZahnarztWoche.